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Maledicur (evtl. Maliclisier) ist eine Figur aus dem mittelhochdeutschen Versroman „Erec“ Hartmanns von Aue.

InformationenBearbeiten

Maledicur ist ein Zwerg aus dem Gefolge des Ritters Îdêrs. Als er und sein Herr auf dem Weg nach Burg Tulmein dem Artusritter Êrêc, der englischen Königin Ginovêr und deren Hofdamen begegnen, soll sich eine der Zofen nach dem Namen des Ritters erkundigen. Maledicur versperrt ihr jedoch den Weg und schlägt sie mit seiner Peitsche. Daraufhin wird er von Êrêc zur Rede gestellt, schlägt aber auch diesen. Da Êrêc unbewaffnet ist, kann er sich nicht wehren und trägt einige Striemen davon.

Um sich für die erlittene Schmach zu rächen, verfolgt er den Ritter und sein Gefolge bis Burg Tulmein. Nach einem Turniersieg über Îdêrs kündigt Êrêc zunächst an, man werde Maledicur zur Strafe für sein ungebührliches Verhalten eine Hand abtrennen. Dies ist jedoch lediglich als abschreckende Mahnung gedacht. Stattdessen wird der Zwerg von zwei Knappen auf einem Tisch gelegt und mit starken Spießruten so sehr durchgeprügelt, dass sein Rücken noch zwölf Wochen später Spuren dieser Bestrafung trägt.

NameBearbeiten

Maledicurs Name wird im „Erec“ Hartmanns von Aue lediglich einmal, in V. 1077, erwähnt. Davor wird er stets als „getwerg“ bezeichnet. In Chrétiens Vorlage bleibt die Figur namenlos. Der sprechende Name „Maledicur“, der aus dem Lateinischen stammt, ließe sich mit „Schmipfredner“, „Lästerer“ übersetzen. In Wolframs von Eschenbach „Parzival“ wird die Figur im Rahmen einer „Erec“-Anspielung „Maliclisier“ genannt (evtl. „mal eglisier“ = „schlechter Kirchgänger“).

ZitateBearbeiten

  • Erster Auftritt: nû riten si unlange vrist / neben einander beide, / ê daz si über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen / einen ritter selbedritten, / vor ein getwerc, dâ enmitten / eine juncvorouwen gemeit, / schœne unde wol gekleit. (Erec, Vv. 5-13)
  • Bestrafung: doch rach erz ze rehte: / er hiez ez zwêne knehte / ûf einen tisch strecken / unde wol durchrecken / mit guoten spizholzen zwein, / daz ez ûf sînem rücke schein / dar nâch wol zwelf wochen. / sîn unzuht wart gerochen / daz daz bluot abe im ran. / nû begunde wîp unde man / under in gemeinlîchen jehen, / im wære gar rehte geschehen, / sît manz in solher unzuht vant. / ez was Maliclisier [Maledicur] genant. (Erec, Vv. 1064-1077)

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