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Bertschi Triefnas und Mätzli Rüerenzumph

Bertschi Triefnas und seine Braut Mätzli Rüerenzumph (Abbildung in der Meininger Handschrift)

Mätzli Rüerenzumph ist die weibliche Hauptfigur in Heinrich Wittenwilers satirischem Lehrgedicht „Der Ring“. Sie ist die Tochter des Lappenhausers Fritz. Kurz nach ihrer Hochzeit mit Bertschi Triefnas kommt sie im Dörferkrieg ums Leben.

NameBearbeiten

Der Vorname „Mätzli“ geht auf das Wort „Mätze“ oder „Metze“ zurück, das ursprünglich eine Jungfrau bezeichnete, „die zur Ehe begehrt wird.“[1] Später erfuhr das Wort eine Bedeutungsverschlechterung und bezeichnete leichtfertige „Weibsbilder“ bzw. Dirnen.

Der Nachname „Rüerenzumph“, den Horst Brunner mit „Rührdenschwanz“ übersetzte, geht in eine ähnliche Richtung. Die mit dem Namen einhergehenden Assoziationen veranlassen den Dorfarzt Chrippenchra zu der Vermutung, Mätzli sei ein leichtes Mädchen – eine nicht ganz unzutreffende Einschätzung.

Mätzli Rüerenzumph im RingBearbeiten

Aussehen und CharakterBearbeiten

Der Erzähler beschreibt Mätzlis Aussehen mit folgenden Versen:


Doch was eineu sunderbar
In sinem hertzen, daz ist war:
Die hiez Mätzli Rüerenzumph.
Sei was von adel lam und krumpf,
Ir zen, ïr händel sam ein brand,
Ir mündel rot sam mersand.
Sam ein mäuszagel was ir zoph.
An ir chelen hieng ein chroph,
Der ir für den bauch gie.
Lieben gsellen, höret, wie
Ir der rugg was überschossen:
Man hiet ein gloggen drüber gossen!
Die füessli warend dik und brait,
Also daz ir chain wind laid
Getuon moht mit vellen,
Wolt sei sich widerstellen,
Ir wängel rosenlecht sam äschen,
Ir prüstel chlein sam smirtäschen.
Die augen lauchten sam der nebel,
Der aten smacht îr als der swebel.
So stuond îr das gwändel gstrichen,
Sam ir die sele wär entwichen.
Sei chond also schon geparen,
Sam sei wär von drien jaren.
Welt îr ander tagweis,
Über all truog sei den preis,
Also daz der Triefnas
Mätzleins selten ie vergas
Und ward ir schlechtleich also holt,
Das er nach ir zerserten wolt.
(Der Ring, Vv. 73-102)


Die zitierte Passage ist beinahe durchgehend rot markiert; sie stellt also nach Wittenwilers Auffassung lehrreiches Wissen dar. Der scheinbar ungewöhnliche Gebrauch der roten Farblinie, die an dieser Stelle erstmals eingesetzt wird, hat zu vielfältigen Interpretationen geführt. In jedem Falle stellt die Darstellung mit ihren zahlreichen Metaphern eine Parodie der gängigen Frauenbeschreibungen höfischer Literaturerzeugnisse dar und steht damit in einer Reihe von Anleihen, die Wittenwiler bei dieser Gattung genommen hat. Manche Autoren nehmen deshalb an, Mätzlis Erscheinungsbild sei als Ausdruck eines Strebens nach Realismus zu deuten, dessen Ursprünge sich in der neuen Wirklichkeitsfreude des Spätmittelalters finden ließen. Die Lehre liege somit in der Entlarvung der literarischen Scheinwelt der Staufischen Klassik. Am plausibelsten erscheint jedoch die Vermutung, dass Wittenwiler mit der Beschreibung eine Belehrung „ex negativo“ vornehmen wollte. Einer ähnlichen Strategie folgt er auch bei der Schilderung des ausschweifenden Hochzeitsmahls. Die Topoi der höfischen Literatur waren dem gebildeten Publikum des „Ring“-Dichters bekannt, weshalb die Rezipienten keine Probleme gehabt haben dürften, Mätzli als Anti-Ideal, als schlechtes Vorbild zu identifizieren.

Zudem sagt das schauderhafte Äußere Mätzlis implizit auch etwas über ihren Verehrer Bertschi aus. Dessen Liebe wirkt angesichts der Umworbenen geradezu lächerlich. Das höfische Muster „Dem Stärksten die Schönste“ wird hier zur grotesken Persiflage: „Dem Dümmsten die Hässlichste“.

Die Beschreibung Mätzlis, die zu den bekanntesten Passagen des Werks zählt, bezieht einen Großteil ihrer Komik aus den absurden Vergleichen und Metaphern, die nicht selten paradox anmuten. Manchmal folgt auf einen klassisch höfischen Versanfang eine Pointe, die den ursprünglichen Erwartungen, auch semantisch, entgegensteht.

Brautwerbung und SpeicherszeneBearbeiten

Mätzli bei ChrippenchraBearbeiten

HochzeitBearbeiten

TodBearbeiten

ZitateBearbeiten

Beschreibung Mätzlis: Sei was von adel lam und krumpf, / Ir zen, ir händel sam ein brand, / Ir mündel rot sam mersand. / Sam ein mäuszagel was ir zoph. / An ir chelen hieng ein chropf, / Der ir für den bauch gie. / Lieben gsellen, höret, wie / Ir der rugg was überschossen: / Man hiet ein gloggen drüber gossen! / Die füessli warend dik und brait, / Also daz ir chain wind laid / Getuon moht mit vellen, / Wolt sei sich widerstellen, / Ir wängel rosenlecht sam äschen, / Ir prüstel chlein sam smirtäschen. / Due augen lacuhten sam der nebel, / Der aten smacht ir als der swebel. / So stuond ir daz gwändel gstrichen, / Sam ir die sele wär enwichen. / Sei chond also schon geparen, / Sam sei wär von drien jaren. (Der Ring, Vv. 76-96)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsches Wörterbuch der Gebrüder Grimm

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